Szarota Tomasz
Tomasz Marceli Szarota (geb. am 2. Januar 1940 in Warschau), polnischer Historiker (Professor) und Publizist.
Sein Vater - der Russist, Kritiker, katholische Publizist und sich für die Zeitschrift "Verbum" engagierende Literaturhistoriker Rafał Marceli Blüth (1891-1939) - wurde einige Wochen vor der Geburt seines Sohnes durch die Nationalsozialisten erschossen. Seine Mutter ist die Romanistin und Germanistin Elida Maria Szarota (1904-1994).
Erforscht die Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere die der deutschen Besatzung und der polnischen Widerstandsbewegung während des Zweiten Weltkrieges sowie der Alltagsgeschichte des besetzten Warschaus und anderer Hauptstädte Europas. In den Jahren 1957-1962 absolvierte er ein Geschichtsstudium an der Universität Warschau, das er mit seiner Magisterarbeit zum Januaraufstand, betreut von Professor Stefan Kieniewicz, abschloss. Seit 1962 ist er Mitarbeiter des Historischen Instituts der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN). Seit 1991, nach der Berufung zum Professor, leitet er dort das Institut für polnische Nachkriegsgeschichte. Im Jahr 1998 als "Visiting Fellow" am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien tätig. Szarota arbeitete im Rahmen von Forschungsstipendien in Deutschland (u.a. Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung), Frankreich und Belgien.
Chefredakteur der Zeitschrift "Polen 1944/45-1989. Studien und Materialien", herausgegeben vom Historischen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften (bis 2008 erschienen acht Bände). Er veröffentlichte unter anderem in den Zeitschriften "Przegląd Historyczny", "Kwartalnik Historyczny", "Dzieje Najnowsze", "Więzi", "Tygodnik Powszechny", "Polityka", "Rzeczpospolita" und "Gazeta Wyborcza".
Mitglied des Wissenschaftsrates des Zentrums für historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin und des Wissenschaftsrates des Polnischen Biographischen Lexikons ("Polski Słownik Biograficzny"), Mitglied der Programmkommission des Museums zum Zweiten Weltkrieg, Vorsitzender der Expertenkommission des Projekts "Polnische Staatsbürger - Opfer und Verfolgte unter der deutschen Besatzung" (Straty osobowe i ofiary represji pod okupacją niemiecką), Mitglied der Redaktionskomitees der Buchreihe "W krainie PRL", herausgegeben vom TRIO-Verlag, Vorsitzender der Jury für die Verleihung des Preises "Klio" der Herausgeber historischer Monographien, Mitglied der Jury für die Verleihung des Władysław Pobóg-Malinowski-Preises sowie des Tomasz Strzembosz-Preises. Mitglied der ZAIKS (Związek Autorów i Kompozytorów Scenicznych, dt.: Vereinigung der Bühnenautoren und -komponisten) und der Warschauer Wissenschaftsgesellschaft.
Auszeichnungen und Preise: Preis der Wochenzeitung "Polityka" (1970, 1972, 1975,1979, 2001); Wincent Rzymowski-Preis (1970); Preis des Wissenschaftssekretärs der PAN
(1975,1989); Auszeichnung des Pilsudski Institute of America sowie Preis der Zeitschrift "Miesięcznik Literacki" (1984); Preis des Ministers für nationale Bildung der Republik Polen sowie des Direktors des West-Instituts (1989); Klio-Preis (1995); Nominierung für den Nike-Literaturpreis (2000); Nominierung für den Kazimierz-Moczarski-Preis (2009); Komturorden der Polonia Restituta (2006).
Seit 1962 mit Anna Manteuffel, Tochter von Prof. Tadeusz Manteuffel, verheiratet. Sohn Piotr (geb. 1966) ist Psychologe und Kulturwissenschaftler, Professor am Psychologischen Institut der Polnischen Akademie des Wissenschaften und der Hochschule für Sozialpsychologie in Warschau.
Wichtigste Publikationen:
- "Osadnictwo miejskie na Dolnym Śląsku w latach 1945-1948", Wrocław 1969,
- "Warschau unter dem Hakenkreuz. Leben und Alltag im besetzten Warschau 1.10.1939 bis 31.7.1944", Paderborn 1985,
- "Stefan Rowecki »Grot«", Warszawa 1983, 1985,
- "Der deutsche Michel. Die Geschichte eines nationalen Symbols und Autostereotyps", Osnabrück 1998,
- "V - jak zwycięstwo. Symbole, znaki, demonstracje patriotyczne walczącej Europy 1939-1945", Warszawa 1994,
- "Życie codzienne w stolicach okupowanej Europy. Szkice historyczne. Kronika wydarzeń", Warszawa 1995,
- "Niemcy i Polacy. Wzajemne postrzeganie i stereotypy", Warszawa 1996,
- "U progu Zagłady. Zajścia antyżydowskie i pogromy w okupowanej Europie", Warszawa 2000,
- "Karuzela na placu Krasińskich, Studia i szkice z lat wojny i okupacji", Warszawa 2007,
- "Die Deutschen in den Augen der Polen während des Zweiten Weltkrieges", Warszawa 2009.






