Polnische Staatsbürger – Opfer und Verfolgte unter der deutschen Besatzung
Das Programm
Das Programm „Polnische Staatsbürger – Opfer und Verfolgte unter der deutschen Besatzung“ ist im Jahre 2006 durch das Institut für Nationales Gedenken (IPN), sowie das Ministerium für Kultur und Nationalerbe der Republik Polen ins Leben gerufen worden. Zur Zeit ist die Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" federf
ührend in der Durchführung des Projektes. Die Zielsetzung des Programms ist es, alle Personen, welche zu jener Zeit polnische Staatsbürger waren und unter den Repressionen des NS-Regimes leiden mussten, in einer zentralen Datenbank zu erfassen.
Man könnte eigentlich annehmen, dass 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges exakte Erhebungen über die Verluste unter polnischen Zivilisten vorliegen, leider jedoch ist eben dies nicht der Fall.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt Polen durch Krieg und Besatzung die größten demografischen Verluste unter allen alliierten Nationen. Bis heute bleiben Angaben über die oben genannten Verluste und das Ausmaß der Repressionen immer noch mehr eine Schätzung, als eine gewissenhafte und verlässliche Kalkulation.
Sowohl Nazi-Deutschland als auch die Sowjetunion betrieben gegenüber den Bürgern der Zweiten Polnischen Republik eine Politik harter Repressionen (unter anderem durch Vertreibungen, Zwangsarbeit und Völkermord).
Um angesichts dessen zu genaueren Erhebungen gelangen zu können, müssen folgende Schritte unternommen werden: Eine Überprüfung und Überarbeitung vorhandener Datenbestände, deren Standardisierung, sowie schlussendlich die Zusammenführung verschiedenster Quellen zu einer Datenbank. Eigentlich hätte dies schon lange in die Wege geleitet werden müssen, einen Anstoß dazu gab es jedoch bisher weder zu Zeiten der kommunistischen Diktatur, noch im freien Polen nach 1989. Das hier vorgestellte Programm möchte statt ungefährer Schätzungen den Versuch unternehmen, präzise Erhebungen anhand persönlicher Zeugenberichte zu erstellen. Auf diese Art und Weise bleiben die Opfer keine anonymen Ziffern, sondern erhalten ein Gesicht; ihr persönliches Schicksal rückt ins Bewusstsein.
Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, statt ausschließlich Nummern, auch persönliche Informationen zu sammeln. Wir hoffen, die Opfer so als Gruppe von Individuen in den Mittelpunkt rücken zu können.
Es gibt in Polen vermutlich nirgendwo eine Stadt, ein einziges Dorf, dessen Bewohner keinen Repressionen durch das Nazi-Regime ausgesetzt waren. Fast jede Familie hat Opfer zu beklagen. Eine Vielzahl verschiedenster Mahnmale und Gedenkstätten im ganzen Land erinnert uns noch heute an das Geschehene. Nun ist es an der Zeit, mit der Hilfe von Zeitzeugen die größten Lücken der Geschichtsschreibung zu schließen.
Eine standardisierte, öffentlich zugängliche Datenbank könnte nicht nur als wichtige Quelle historischer Forschung dienen, sondern darüber hinaus auch Angehörigen die Möglichkeit bieten, das Schicksal vermisster Personen zu klären.
Wenn Sie unser Projekt unterstützen möchten und Informationen über das Schicksal von NS-Opfern haben, die zum Zeitpunkt der Repressionen polnische Staatsbürger waren, teilen Sie uns diese bitte mit. Sie können dazu entweder das auf dieser Internetseite verfügbare Online-Formular nutzen oder uns alternativ ein ausgefülltes Formular auf postalischem Weg zukommen lassen. Die Adresse hierzu lautet:
Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“/
Fundacja „Polsko-Niemieckie Pojednanie“
ul. Krucza 36
00-921 Warszawa
POLEN
Besonders freuen würden wir uns natürlich auch, wenn Archive, Behörden und andere Stiftungen, die Informationen über das Schicksal polnischer Staatsbürger während des Zweiten Weltkrieges besitzen, mit uns Kontakt aufnehmen.
Das Institut für Nationales Gedenken (IPN) und das Ministerium für Kultur und Nationalerbe der Republik Polen haben dem Projekt zwei Begleit- und Kontrollinstitutionen zur Seite gestellt:
a) Die Expertenkommission – bestimmt die grundsätzliche Ausrichtung des Projekts
b) Der Programmrat – setzt Regeln und Richtlinien für die ausführende Institution fest
Zurzeit werden die beiden Gremien aus Repräsentanten von über 30 Institutionen gebildet, die sich mit dem Themenbereich Zweiter Weltkrieg befassen.
Die Expertenkommission
Die Expertenkommission bestimmt
- prof. dr hab. Tomasz Szarota – Vorsitzender
- dr Andrzej Chmielarz
- dr Waldemar Grabowski - sekretarz
- dr hab. Andrzej Krzysztof Kunert
- mgr inż. Grzegorz Szczepański
Der Programmbeirat
Der Programmbeirat besteht aus Vertretern der Institutionen, die sich mit der Problematik der NS-Opfer und der Geschichte des Zweiten Weltkrieges beschäftigen.Den Vorsitz des Beirates ausüben:
Piotr Żuchowski - Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Nationalerbe
Dr. Jan Żaryn - Berater des Institutes des Nationalen Gedenkens.
Das Programmbeirat bilden:
Kooperationspartner
Kooperationspartner, Freunde und Unterstützer!
Bei der Durchführung des Dokumentationsprogramms sind wir auf Unterstützung und Kooperation mit Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Archiven als Institutionen und Träger konkreter Erinnerungsarbeit angewiesen. Unter unseren Partnern befinden sich bereits namhafte Museen, Gedenkstätten und Archive aus ganz Europa.
Da es sich bei dieser im Aufbau begriffenen Datenbank um einen Datenabgleich handelt, sind die Datenbestände aus den ursprünglichen Archiven nötig. Für eine erfolgreiche Durchführung dieses großen Vorhabens ist eine breite Mitwirkung gesellschaftlicher und staatlicher Institutionen in ganz Europa ausschlaggebend. Beteiligte und Adressaten der Initiative sind ebenfalls Schulen, Gemeinden, Kirchen, Vereine, Medien und Opferverbände der NS-Diktatur.
Wir freuen uns sehr über die gute Zusammenarbeit mit zahlreichen deutschen Institutionen und Experten. Vor allem möchten wir uns bei kleineren Stadt- und Kreisarchiven bedanken, die sich trotz ihrer oft begrenzten Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit und Kooperation mit uns engagierten und nicht selten ganz persönlich Anstrengungen unternommen haben. Dank Ihrer Recherchearbeit ist es uns möglich, die vielen verstreuten Informationen über NS-Opfer aus Polen erstmals zu sammeln und an einen Ort zusammenzuführen.
Unter unseren Partnern befinden sich Museen, Gedenkstätten und Archive sowie bürgerliche Initiativen aus ganz Deutschland, die in der folgenden Liste alphabethisch aufgeführt sind. Diese Liste wird regelmäßig aktualisiert.
Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt und wir sind weiterhin über jede Mithilfe und Zusammenarbeit dankbar. Deshalb möchten wir alle interessierten Personen und Institutionen dazu einladen, sich an dem Dokumentationsprogramm zu beteiligen.
Über die Eingabemaske auf der Projekthomepage kann jeder die Datenbank um persönliche Informationen von polnischen NS-Opfern erweitern. Die Datenbank bietet unschätzbare Erleichterung im zukünftigen gegenseitigen Datenaustausch und wissenschaftlicher Recherchearbeit, denn unsere Projektpartner bekommen zu den Informationen der internen Datenbank Zugangsoptionen. Des weiteren gleichen wir unsere bereits reichlich vorhandenen Datensätze mit denen unserer Partner ab und können diese diesbezüglich bei der Vervollständigung und Berichtigung von Daten unterstützen. Gleichzeitig verweisen wir bei jedem Datensatz auf die entsprechenden Institutionen als Quelle. Ihr Name oder ihre Institution wird dann ebenfalls hier gelistet.
Wir danken allen Beteiligten und Freunden für ihre exzellente Arbeit und freuen uns auf zahlreiche neue Projektpartner. Durch ihre Unterstützung schließen wir gemeinsam die Lücken in der Geschichte und arbeiten zusammen für deutsch-polnische Versöhnung.
Datenbank
Die Datenbank
Alle wie oben beschrieben eingebrachten Daten durchlaufen zunächst ein festgesetztes Verfahren zur Standardisierung, Verifizierung und Korrektur. Schließlich werden die neuen Informationen mit den bereits in der Datenbank befindlichen abgeglichen, um Überschneidungen zu vermeiden.
Zur Kategorisierung werden folgende Arten von Repressionen unterschieden:
- Im Kampf gefallene, inhaftierte und gestorbene Soldaten
- Inhaftierte in Ghettos, Konzentrations- und Arbeitserziehungslagern
- Inhaftierte Zivilisten
- Zwangsarbeiter
- Von Vertreibungen und Neuansiedlungen betroffene Personen
- Jugendliche Kriegsopfer
- Ermordete Zivilisten, z.B. bei sog. Pazifizierungen
- Durch Kriegshandlungen getötete Zivilisten
- Zum Untertauchen gezwungene Zivilisten
- andere Repressionen (nähere Angaben benötigt)
Die Datenbank ist unter diesem Link verfügbar. Sie enthält persönliche Informationen (Vor- und Nachname, Geburtsort und -datum, Namen der Eltern) und grundsätzliche Angaben über die Repressionen (Datum, Kategorie, Ort). Die Datenbank ist Eigentum des polnischen Staatsschatzes, repräsentiert durch das Institut für Nationales Gedenken (IPN).













